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Kein Angebot ohne Nachfrage

Online-Arztrezepte sind im Vormarsch und zeigen einmal mehr die Fehler des Gesundheitssystems auf.

von Anja Krystyn
erschienen in derStandard.at

Die für unsere Gesundheit Zuständigen sind empört. Das ärztliche Gespräch ist nicht mehr gefragt! Lieber teilt der Kunde seine gesundheitlichen Probleme per Mausklick einem anonymen Formular mit. Die Diagnose wird aus der Ferne gestellt, das Rezept bequem nach Hause geliefert. Welch Geschäftemacherei von „DrEd“!

Daten- und Faktensammelsurium
Die sich aufregenden Gesundheitspolitiker übersehen, dass sie diese Entwicklung mit verursacht haben. Der
Patient erwartet vom Arzt kein wirklich heilsames Gespräch. Die zunehmend spezialisierte Medizin reduziert den „gesunden“ Menschen auf die Summe seiner funktionierenden Organe. Jedes für sich wird mit wissenschaft-
lichen Mitteln diagnostiziert. Die so erlangten Daten und Fakten bestimmen die anschließende Therapie.

Was den erkrankten Menschen sonst noch ausmacht, aber nicht messbar zu erfassen ist, interessiert die von den Kassen bezahlte Medizin kaum. Sein soziales, familiäres und berufliches Umfeld wird nicht hinterfragt. Dort verbergen sich bekanntlich die meisten Ursachen von falschen Lebens-und Ernährungsgewohnheiten, die schließlich zu den häufigsten Erkrankungen führen: Bluthochdruck und Diabetes.

Oft würde ein aufmerksam zuhörendes Ohr des Arztes genügen, um die jeweilige Lebenssituation zu erfassen und das Vertrauen des Patienten zu gewinnen. Aber Fehlanzeige, und das nicht nur aus Zeitmangel.

Da spart der Kranke lieber Zeit, Herumsitzen im Wartezimmer und frustriertes Weggehen mit einem Rezept, das er sich ebenso via Internet besorgen kann.

Grundlagen wären dringend zu ändern
Die Bereitschaft vieler Ärzte, mit dem Patienten wirklich zu kommunizieren, ist gering. Die Gesundheitspolitiker unterstützen sie in dieser Haltung.

Glauben sie wirklich, dass so eine Medizin uns auf Dauer genügt? Dass sie nicht heilt, zeigt die hohe Zahl
chronisch Kranker trotz explodierender Medikamentenkosten. Nun gehen viele Patienten noch einen Schritt weiter in der Bewertung des Arztgespräches, indem sie es sich überhaupt sparen.

Die Reaktion „nehmt euch vor online Falschdiagnosen in acht, es gibt gegen sie kein Rechtsmittel!“ ist ein
bisschen wenig, um diese beängstigende Entwicklung zu stoppen.

Der Patient zeigt der Schulmedizin immer klarer die rote Karte. Die Angesprochene sollte reagieren und etwas Grundlegendes ändern.

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